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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

In der Auktion mit Alten Meister und der Kunst des 19. Jahrhunderts bei Koller in Zürich treffen sich irdische Sinnenfreuden und biblische Heilsverheißungen

Heroische Tode



Lucas Cranach d.Ä., Lucas Cranach d.Ä. und Werkstatt, Flügelaltar mit der Verkündigung Mariens, den Heiligen Katharina und Barbara, um 1515

Lucas Cranach d.Ä., Lucas Cranach d.Ä. und Werkstatt, Flügelaltar mit der Verkündigung Mariens, den Heiligen Katharina und Barbara, um 1515

Das Spitzenwerk seiner Auktion mit Alten und Neueren Meistern preist Koller überzeugt an: Es sei eines letzten erhaltenen Altarwerke der deutschen Renaissance, wurde kürzlich in einer Schweizer Privatsammlung entdeckt, und die museale Qualität besteche durch die leuchtende Farbigkeit und virtuose Detailvielfalt. Dabei handelt es sich um ein Retabel von Lucas Cranachs d.Ä. und seiner Werkstatt mit der Verkündigung Mariens als zentralem Bild. Und in der Tat ist das Zusammentreffen von Maria und dem Erzengel Gabriel in einem palastartigen Zimmer mit Bett und Ausblick auf eine bergige Flusslandschaft mit Burg von hoher Meisterschaft. Die Seitentafeln mit der heiligen Katharina und der heiligen Barbara sowie im geschlossenen Zustand mit Christus als Schmerzensmann und Maria als Schmerzensmutter weisen einen höheren Werkstattanteil aus. Das Triptychon dürfte in vorreformatorischer Zeit um 1515 entstanden sein, als Lucas Cranach am kurfürstlichen Hof Friedrichs des Weisen in Wittenberg tätig war. 1972 zuletzt bei Stuker in Bern gehandelt, stehen jetzt 800.000 bis 1,2 Millionen Franken auf dem Etikett.


Mit dem zweiten Highlight wendet sich die Züricher Auktion am 31. März den weltlichen Sinnenfreuden zu. Jan Cossiers platziert fünf Personen um einen Tisch und dazu noch eine gelb gewandete Dame im Hintergrund. Der Antwerpener Maler, der ab Mitte der 1620er Jahre eng mit Peter Paul Rubens zusammenarbeitete, spinnt hier ein zartes Beziehungsgeflecht innerhalb der eleganten Gesellschaft, aber auch mit dem Betrachter und verführt in die Welt der fünf Sinne: Die zentrale junge Frau in rot-grünem Kleid, die ein Glas Weißwein an ihre Lippen führt und den Betrachter fixiert, verkörpert den Geschmackssinn. Rechts im Vordergrund hebt ihre Begleiterin als Allegorie des Geruchssinns eine Nelke an ihre Nase. Für das Hören steht der Mann mit ausladendem Hut, der im linken Vordergrund auf seiner Laute spielt. Das sich umarmende Paar im rechten Hintergrund versinnbildlicht den Tastsinn, und die stehende Frau, die hinter dem Vorhang den Betrachter anschaut, symbolisiert schließlich den Sehsinn. Mit 400.000 bis 600.000 Franken strebt Koller einen der vorderen Plätze im Ranking Cossiers’ an.

Alte Meister

Mit diesem Schätzpreis tritt zudem Willem Claesz Hedas Stillleben mit einem Römer, Brötchen, geschälter Zitrone, umgestürztem Weinglas, einem Zinnteller mit Kapern und einer Taschenuhr an, das durch eine Eleganz in der Komposition und die Feinheit der unterschiedlichen Texturen überzeugt. Wem dies zu teuer ist, kann auf die beiden Blumenstücke zurückgreifen, die Carel de Vogelaer in seiner römischen Phase ab 1675 mit viel Sfumato in zwei reliefierten Steinvasen arrangierte (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Landschaftliches gibt es mit Jacob Grimmers Tondo einiger Bauersleute bei der Ernte als Sinnbild für den Sommer (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR), während Anthonie Verstralen mit seinen Vergnügungen zahlreicher Leute auf einem zugefrorenen Fluss vor einem Dorf im Jahr 1632 dem Winter huldigt (Taxe 80.000 bis 130.000 SFR). Jan Breughel d.J. und Hendrik van Balen d.Ä. sind gemeinsam für eine friedliche „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ in einer Waldlandschaft verantwortlich, die sich zum Hintergrund weit öffnet (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR). Der Spanier Juan de Borgoña d.J. hat sich auch der „Flucht nach Ägypten“ angenommen, sein Ölgemälde aber um 1550 in einem kühleren Kolorit und einer steiferen Linearität der Renaissance-Malerei ausgearbeitet (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR).

Zwei Historiengemälde bereichern die Versteigerung. Eglon Hendrik van der Neer griff auf die Gesichte der Sophonisba, der Tochter des karthagischen Feldherrn Hasdrubal, zurück, die durch ihre unbeugsame Haltung Nachruhm erlangte. Um der drohenden Gefangenschaft durch die Römer während des Zweiten Punischen Kriegs zu entkommen, trank sie aus einem vergifteten Kelch und starb einen heldenhaften Tod. Die groß ins Bild gerückte Protagonistin mit dem goldenen Pokal hat Neer in die Mode der 1680er Jahre gekleidet und die Historie somit in seine Zeit geholt (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR). Eine zweite Heldin der Antike setzte Matthäus Merian d.J. mit Kleopatra ins Bild, die sich eben von der Schlange beißen lässt und mit ihrem Selbstmord die Fantasien nachfolgender Jahrhunderte anregte. Das 2015 bei Bonhams noch als „Flämische Schule“ versteigerte Gemälde gilt als wichtige Neuentdeckung im kleinen malerischen Œuvre Merians und steuert mit 60.000 bis 80.000 Franken seinen Auktionsrekord an. Die italienische Renaissance hat noch einige religiöse Bilder zu bieten, etwa eine hieratisch „Thronende Madonna“ mit auf ihrem Schoß stehenden nackten Jesusknaben, eine erste Replik nach dem Altarwerk von Bonifacio Bembo im Dom von Cremona, entstanden um 1470 in seiner Werkstatt (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR), oder eine rund zwanzig Jahre jüngere „Anbetung des Kindes“ durch Maria vor einer weiten Küstenlandschaft von Jacopo del Sellaio und seiner Werkstatt (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR).

Neuere Meister und Arbeiten auf Papier

Preislicher Gipfel bei den Gemälden des 19. Jahrhunderts sind die 100.000 bis 150.000 Franken für Mihály Munkácsys großbürgerlichen Salon, in dem er eine Mutter mit ihren drei Kindern samt Amme an einem gedeckten Frühstückstisch einer Hundefamilie beim Fressen aus einem Napf gegenüberstellt und das Werk aus den 1880er Jahren denn auch mit „Zwei Familien“ betitelte. Der vornehmen Pariser Gesellschaft setzte zudem Charles Leroy-Saint-Aubert mit seinen beiden jungen Damen samt Schirm und Fächer im Jardin du Luxembourg ein Denkmal (Taxe je 10.000 bis 15.000 SFR). Gut vertreten bei der französischen Malerei ist die Schule von Barbizon, unter anderem mit Charles-François Daubignys recht erzählerischer Herbstlandschaft mit dem titelgebenden „Holzwagen“ (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR), mit Théodore Rousseaus in hellen Brauntönen auf Papier gemalter weiter Gegend bei Fontainebleau im Abendlicht (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR) oder mit Paul Désiré Trouilleberts bewölktem Tag mit einem Fischer am Ufer in charakteristischer duftiger Natur (Taxe 8.000 bis 10.000 SFR). Dagegen hat Barend Cornelis Koekkoek 1857 seine bewaldete Flusslandschaft, die mit ihrer Burg an einem steilen Hang Motive vom Rhein aufgreift, trotz Abendstimmung klarer aufgebaut und sie mit Landleuten und mehreren Kühen angereichert (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR). In einem übersteigerten Realismus hielt Ivan Fedorovic Choultsé oft flüchtige Momente der Natur fest, etwa die Meeresbrandung vor der braunen Felsenküste von Korsika mit sich kurz aufbäumender Gischt, bevor sie wieder in sich zusammenfällt (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR).

Ludwig Mecklenburg verschlug es mehrmals nach Italien, wo er sich besonders mit venezianischen Veduten hervortat. Obwohl es Nacht ist und der Mond aufstrahlt, verewigte Mecklenburg 1855 ein emsiges Treiben von Händlern, Musikanten, Flaneuren und Gondolieri zu später Stunde auf der Piazzetta San Marco (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). In den Süden zog es gleichfalls Johann Georg Grimm, der 1873 in italienischen Gefilden die nachmittägliche Sonne auf einen mit Bäumen bestandenen Weg und einige Menschen scheinen ließ (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Noch exotischer wird es mit Josef Selleny, der in den späten 1850er Jahren an der großen Novara-Expedition teilnahm, dabei die Welt umsegelte und Bilder von den Küsten, der Architektur, den Orten und der Bevölkerung zu Forschungszwecken festhielt. Seine Eindrücke aus Brasilien verarbeitete er dann 1863 zu einer Bauernfamilie am Strand von Itaparica (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Für die typisch europäische Sicht auf den Orient listet der Katalog Otto Pilnys Beduinen beim abendlichen Gebt in der rot glühenden Wüste (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR) oder Alphons Leopold Mielichs dreiköpfige Beduinenfamilie vor ihrem Zelt zur heißen Mittagszeit (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR).

Bei den Arbeiten auf Papier ragen vor allem italienische Zeichnungen zahlenmäßig und preislich heraus, an erster Stelle Federico Zuccaros frühbarocke Osterszene, in der der auferstandene Christus am Ostermorgen als Gärtner der knienden Maria Magdalena erscheint (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). Ernst blickt Gottvater, der von Engeln auf Wolken getragen wird, aus einem lavierten Kreide- und Tuschblatt Giovanni Domenico Tiepolos den Betrachter an (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR). Schon dem Klassizismus gehört Giuseppe Spampanis fein gezeichneter, aber gefahrvoller Hinabstieg in eine Felsenhöhle an (Taxe 700 bis 900 SFR), ebenso Franz Kaisermanns aquarellierter Blick auf die antiken Tempel von Paestum (Taxe 3.000 bis 4.000 SFR). Ins fortgeschrittene 19. Jahrhundert geht es mit Adolph von Menzels ausdrucksstarkem Brustbild einer älteren, erstaunt nach oben blickenden Frau (Taxe 3.000 bis 4.000 SFR) oder Augusto Giacomettis ebenfalls mit Kohle dicht angelegter, realistischer Schilderung einer alten Holzbrücke nebst Häusern in einem Wald von 1896 (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR).

Die Auktion beginnt am 31. März um 10 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.kollerauktionen.ch abrufbar.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch

Startseite: www.kollerauktionen.com



29.03.2023

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Taxe: 8.000 - 12.000 SFR

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Charles Leroy-Saint-Aubert,  Dame mit Schirm im Jardin du Luxembourg

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Taxe: 10.000 - 15.000 SFR

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Losnummer: 3215

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Zuschlag: 15.000,- SFR

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Matthäus Merian d.J.,  Kleopatra, um 1650/60

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Taxe: 60.000 - 80.000 SFR

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Losnummer: 3032

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Taxe: 3.000 - 4.000 SFR

Zuschlag: 4.000,- SFR

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Jan Cossiers,  Allegorie der fünf Sinne: Elegante Gesellschaft an einem Tisch, um 1640

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Charles Leroy-Saint-Aubert,  Dame mit Fächer im Jardin du Luxembourg

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Otto Pilny,  Beduinen in der Wüste

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